Retro Donnerstag – Piraten kapern unsere Retrospektive!

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Pirat Retrospektive
Es ist wieder soweit – es ist Retro Donnerstag!

Heute möchte ich euch eine schöne und umfangreiche Technik für die Retrospektive vorstellen. Es geht um die bei uns so schön benannte “Piraten-Retro”. Sie ist äußerst hilfreich, um reichlich Erkenntnisse zur aktuellen Zusammenarbeit im Team zu erlangen und beleuchtet den aktuellen Stand vielseitig. Diese Technik enthält direkt die Verbesserungsvorschläge und bezieht zudem die Bedenken aller Teammitglieder sofort ein. Aus meiner Erfahrung eignet sie sich prima, um ein ganzheitliches Bild der aktuellen Zusammenarbeit zu zeichnen und alle Teammitglieder aktiv einzubinden.  

Auf zum Entern – Das Vorgehen der Retrospektive

Diese Technik kann direkt nach der Einleitung in die Retrospektive starten, weil sie die Sammlung des Feedbacks und die Ableitung von Maßnahmen koppelt.

Im Grunde geht es darum, vier wichtige Fragen zu beantworten. Die spielerische Gestaltung zeigt sich dadurch, dass sich alle Teilnehmer in einen Piraten hineinversetzen müssen, der sein Schiff zielsicher steuert. Daher dreht sich alles um die vier folgenden Fragen:

1.Wo ist ein Schatz zu finden?

(Neue Dinge oder Verbesserungen, die es wert sind, ausprobiert zu werden).

2.Wo ist eine Klippe, vor der man sich in Acht nehmen muss

(Was macht dem Team Sorgen?)

3.Kurs halten für…?

(Welche der aktuellen Prozesse laufen gut und sollen beibehalten werden?)

4.Kurs ändern für …?

(Welche aktuellen Prozesse laufen schlecht und sollen verändert werden?)

Zwischen Zukunft und Gegenwart

Dabei beziehen sich die zwei ersten Fragen auf die Zukunft des Teams, während sich die Fragen drei und vier auf die Gegenwart beziehen. Die ersten beiden Fragen helfen dabei Maßnahmen für die zukünftige Verbesserung der Kollaboration zu finden, indem sie nach konkreten Verbesserungen (Schätzen) fragen und nach Sorgen, die unbedingt zeitnah behandelt und aufgelöst werden sollen. Die folgenden Fragen unterstützen dabei, den aktuellen Stand abzubilden: Was läuft gut und was hätten wir besser machen sollen? Dieses Blitzlicht der Gegenwart bildet die Basis für weitere Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Teamarbeit.

Piraten Retrospektive
Piraten Retrospektive

Zunächst wird das Feedback zu jeder Frage gesammelt und visualisiert, sodass ein offener Austausch stattfinden kann. Hier zeigt sich auch, ob die Rückmeldungen zum aktuellen Stand mit den Sorgen und den Maßnahmen für die Zukunft zusammenpassen oder ob es hier noch Gesprächsbedarf gibt.

Eine mögliche Ursache für diese Unterschiede können geteilte Ansichten im Team sein, die es dringend aufzugreifen und zu besprechen gilt.

Das ist ein guter Punkt für den Scrum Master, um tiefer in die Moderation einzusteigen. Bei größeren Abweichungen oder heiß diskutierten Themen ist er hier in der Pflicht nach dem „Warum“ zu fragen und so das Team als Moderator zu den Ursachen zu führen.

Alle an Board!

Es werden alle Wahrnehmungen vollständig einbezogen, da die Piraten-Retro alle Facetten von „Was läuft aktuell gut oder schlecht?“ bis zu „Welche Verbesserungsvorschläge möchte ich machen?“ und „Hier sehe ich zukünftig Schwierigkeiten“ einbezieht. Nachdem das Bild im Team geschärft wurde, kann weiter mit der begonnenen Visualisierung gearbeitet werden.

Die Priorisierung der einzelnen Rückmeldungen kann nun erfolgen. Dabei ist es möglich, nicht nur die in der initialen Runde gemeldeten Verbesserungsvorschläge (Frage 1) zu priorisieren und damit zu entscheiden, welche in der nächsten Iteration aktiv angepackt werden sollen, sondern auch die Rückmeldungen zu den anderen Fragen. Aus diesem Grund sollten alle vier Fragen in die Priorisierung und weitere Arbeit einbezogen werden. Häufig ergeben sich so Themen aus den anderen Fragestellungen, die das Team weiter besprechen möchte.

Hieraus leiten sich meist noch vielfältige Handlungsempfehlungen aus dem Team ab. Es ist sehr wichtig, dass alle Verbesserungsvorschläge, die das Team während der Retro zu allen Fragestellungen entwickelt, gesammelt werden. Oft ergeben sich aus den Gesprächen, der Ursachenforschung und dem Blick auf alle Rückmeldungen noch mehr Verbesserungsvorschläge aus dem Team. Nach dieser Sammlung muss das Team nun entscheiden, welche dieser Schritte sie in der nächsten Iteration gehen möchten und welche Maßnahmen ihnen als Team am besten weiterhelfen.

Nachdem die Aktionen identifiziert wurden, die in den nächsten Wochen für eine Verbesserung der Teamarbeit sorgen sollen, werden diese abschließend herausgestellt. So kann sich das gesamte Team darauf einschwören und behält sie für die gesamte nächste Iteration im Blick.

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