Agilität in Großprojekten

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Agilität in Großprojekten

Nachdem ich mich in den vergangenen Wochen mit den Zertifizierungen zum Scrum Master und Product Owner beschäftigt habe und auch in dem Webinar „ITSM für agile Projekte“ immer wieder mit Scrum in Berührung kam, hatte ich nun die Möglichkeit einen Product Owner in einem digitalen Großprojekt zu begleiten. Dieser Erfahrungsbericht zeigt auf, wie Agilität in Großprojekten gelerbt werden kann.

Das Projekt startete 2016 und ist auf eine Projektdauer von ca. fünf Jahren ausgelegt. Ziel ist es, das (alte) operative System neu zu entwickeln und zu automatisieren. Außerdem soll die Softwarearchitektur mit Hilfe von Microservices und verteilten Systemen auf den neuesten Stand gebracht und damit die Wartbarkeit verbessert werden. Nach dem Motto „fail fast and learn faster“ haben sich die Projektmitglieder dafür entschieden, früher als geplant live zu gehen. Ende 2017 startete das Team mit einem Minimum Viable Product (MVP) im Echtzeitbetrieb. Seitdem arbeiten bereits einige Mitarbeiter im System – natürlich funktioniert das noch nicht im vollen Funktionsumfang.

Derzeit arbeiten fast 70 Menschen cross-funktional und gemeinsam in diesem Projekt. Das Projektteam ist auf mehrere Feature-Teams aufgeteilt. Neben diesen Feature-Teams existieren teamübergreifende Work Streams, die u.a. Querschnittsthemen wie Softwarequalität, Architektur oder Infrastruktur verantworten.

Der erste Eindruck

An meinem ersten Tag bekam ich ziemlich viele Eindrücke. Mein Teamleiter zeigte mir die verschiedenen Teams. Nachdem ich erstmal einen Überblick über die Teams bekommen habe, ging es auch schon gleich ins Daily Stand Up. Alle Mitglieder haben kurz ihre Aufgaben beschrieben und erläutert, wobei sie noch auf Hilfe oder Klärung warten. Später fand das Sprint Planning für den nächsten Sprint statt. Hierbei traf ich zum ersten Mal auf den Scrum Master. Der Scrum Master hat auf die Einhaltung von Timeboxen geachtet und versucht, Diskussionen, die länger wurden, auf kleinere Runden zu verschieben oder die Diskussion durch Vorschläge oder Zusammenfassungen auf ein Ergebnis hin zu steuern. Das Scrum-Vorgehen wird in den Teams individuell angepasst. Die meisten Teams arbeiten in 2-Wochen-Sprints. Ein Team hat jedoch für sich entdeckt, dass sie besser vorankommen, wenn sie in 4-Wochen-Sprints arbeiten. Die POs der einzelnen Teams haben zusätzlich ein Daily Stand Up nur für sich. Das Story Mapping findet teamübergreifend mit allen POs, Architekten, UXern, Scrum Mastern und weiteren Interessierten statt. Abweichend zum Namen werden hier Veränderungen und Neuigkeiten auf Epic-Ebene durchgesprochen. Der Austausch scheint auf jeden Fall in dem ganzen Projekt gegeben zu sein. Nachdem ich gesehen habe wie die Meetings stattfinden und die Teammitglieder arbeiten, habe ich gedacht: “Hey das klappt hier ja wirklich gut, Hut ab!” Mich hat vor allem beeindruckt, wie diszipliniert die Meetings ablaufen und wie sehr auf die Zeit geachtet wird: In den meisten Fällen geht es sehr pünktlich los und es wird rechtzeitig beendet.

Kreativität in der Umsetzung

Dennoch, beim Austausch mit dem Scrum Master und nach einer etwas längeren Einführung von meinem Teamleiter wurden ein paar Hindernisse sichtbar. Da das Projekt sehr komplex ist und daher über viele Jahre läuft, ist neben der Sprintplanung auch eine längerfristige Planung notwendig. Dies hat der Kunde jedoch clever gelöst, indem über die Epics eine weitere Ebene gelegt wurde, nämlich die „Themes“. Dadurch ist der Kunde fähig, in Etappen zu planen, die sich auf ca. drei Monate begrenzen. Diesen Ansatz fand ich sehr geschickt

Grundsätzlich bietet das Projekt den Teams einen Freiraum für neue Ideen und Ansätze. Die Ursprungsplanung des Projekts fand nicht auf einer ganz grünen Wiese, aber immerhin auf einer großen Lichtung statt. Diese Lichtung befindet sich inmitten eines Dschungels aus Altsystemen und klassischen Hierarchien. Dadurch, dass der Kunde organisatorisch jedoch aus vielen Gesellschaften besteht, stößt das Team außerhalb des Projektes auf Barrieren. Ich bin gespannt zu sehen, was in Zukunft alles im Tätigkeitfeld des Kunden möglich sein wird und wie sich das Projekt zukünftig entwickelt. Die Hospitation hat schon in kurzer Zeit einen großen Eindruck bei mir hinterlassen. Die theoretischen Ansätze von Scrum ließen sich hier in der Praxis immer wieder erkennen. Das Vorgehen zeigt, wie Scrum als Framework dient und individuell angepasst werden kann. Vielen Dank an alle Beteiligten für diese Möglichkeit. Bald gibt es bestimmt einen Weg aus dem Dschungel heraus! Dieses Beispiel as der Praxis zeigt eine Variante wie Agilität in Großprojekten gelebt werden kann. Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten, wo und wie wir unterstützen können. g

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